Vor knapp zwei Wochen hat mich eine traurige Nachricht an meinen ersten Besuch in Wien denken lassen. Das war im Milleniumsjahr. Ich weiß es deshalb noch so genau, weil kurz nach meiner Rückkehr aus der Stadt der Kaffeehäuser meine Großmutter starb. Von ihr kommt wohl ursprünglich meine Liebe zu den Kaffeehäusern. Schon als ich ein kleines Mädchen war, hat sie mich in diese frühen Tempel der unkomplizierten Kommunikation mitgenommen.

Gestern Abend überbrückte ich ein Stündchen zwischen zwei Terminen bei Lam Frères in der Weserstraße. Das war wie so ein klitzekleiner Urlaub in Vietnam, ein Eintauchen in eine andere Welt. Dieses Eintauchen begann schon, als ich in der Münchner Straße die Linie 11 verließ. Die großen, alten Häuser mit ihren steinernen Balkonen, die Leuchtreklame, die vielen bunten Lädchen mit thailändischen oder indischen Spezereien, die kleinen, sehr authentischen Lokale. Wie in einer anderen Stadt fühlte ich mich plötzlich, vielleicht China Town, vielleicht Saigon.