Zwei der bekanntesten Offenbacher Bürger prägen bis heute den Ruf der Stadt als Wiege der Schrift- und Druckkunst. Alois Senefelder bereitete in seiner Arbeit den Weg für Dr. Karl Klingspor. Wenn er nicht 1796 die Lithografie erfunden hätte, wäre Dr. Karl Klingspor nie auf die Idee gekommen, sich im Druckgewerbe selbständig zu machen. Dabei erfand Alois Senefelder den Flachdruck aus ganz eigennützigen Gründen. Auf die Kenntnisse Senefelders konnte Klingspor später aufbauen. Zusammen mit seinem Bruder Wilhelm brachte er die von seinem Vater erworbene Rudhardsche Gießerei auf Vordermann, und stellte den größten Schriftgenius seiner Zeit ein. Karl Klingspor erwarb mit seiner Schriftgießerei viele Preise und machte die Stadt Offenbach in aller Welt bekannt.

Die Malerin und Filmemacherin Leonore Poth hat ihr Atelier in einem großen alten Wohn- und Geschäftshaus der Jahrhundertwende in der Niddastraße. Großer Torbogen. Dann fünfter Stock oder so. Ich war ganz außer Puste. Es ist das einzige Haus in der Niddastraße, das ich kenne. Habe dort im vierten Stock jahrelang die Kobra gemacht oder den Hund – in den Yogakursen des dortigen Instituts.

Am Freitag schien endlich einmal die Sonne. Ich glaube, es war das erste Mal in diesem neuen Jahr. Ein blauer, kalter Tag. Am Nachmittag verließ ich das neue Büro in Richtung Ludwigstraße. Es waren noch ein paar Fotos für den Stadtführer “Offenbach zu Fuß” zu machen und ein Kunde zu besuchen, der neue Räume in der Heyne-Fabrik bezogen hat. Auf dem Weg waren mir die Finger kalt und das Licht langsam dämmerig geworden. Als ich durch das große Eingangstor am fast prächtigen Verwaltungsbau der Heyne-Fabrik ging, umfing mich eine ganz besondere Atmosphäre, nahezu klösterlich. Das kommt wohl durch die hohen Mauern, die schönen Steinmetzarbeiten, die hintereinander liegenden Höfe, die Geschichte, die Stille. Ein Kloster der Werktätigen, früher 400 Arbeiter, die Präzisionsschrauben für den Betrieb drehten, bearbeiteten und auslieferten. 1913 war Gebr. Heyne Offenbachs drittgrößter Industriebetrieb. Man fertigte die ersten Normschrauben für Fahrräder und Automobile.

Das Jahr ist neu und ich sitze an meinem funkelnagelneuen Schreibtisch, in der Kaiserstraße 39. Ein paar weiße Regale mit roten Kisten, ein Holzstuhl, ein Laptop – und es kann losgehen. 

Das Haus hat etwas Inspirierendes – und manchmal kommt von der Kaiserstraße ein Hupen. Fast ein klitzekleines New York Feeling entsteht dann bei mir. Jedenfalls Großstadt. Kein Wunder, das sind hier fast heilige Hallen, im ehemaligen Goldpfeilhaus. Wer mag hier im dritten Stock wohl einmal gesessen haben, im Büro 405? Vielleicht ein Designer feiner Ledertaschen oder ein Vertriebschef, der rege Korrespondenz mit London unterhielt. Damals, als Goldpfeil noch Goldpfeil war.