Lange habe ich hier nichts geschrieben. Während es also hier auf dem Blog recht still war, liefen die Zahnrädchen an anderer Stelle auf Hochtouren, nämlich in unserer Literaturgruppe Autoren unterwegs (Katharina Eismann, Johann Kneißl, Leo Pinkerton, Malgo Scholz, Gisela Wölbert und meine Wenigkeit). Ab Oktober, nach der letzten Lesung der Reihe “Literatur zur Werkzeit” im Hafengarten, gingen wir mit der Anthologie in Produktion. Ein Verleger war bereits gefunden (Offenbacher Editionen bei Berthold Druck). Nun hieß es also die 12 Lesungen, die wir über das Jahr an verschiedenen, eher unliterarischen Orten zur Mittagszeit in Offenbach veranstaltet hatten, zwischen zwei Buchdeckel zu bringen. Wir hatten beschlossen, die Lesungen mit den Texten, die dort zu hören waren, in chronologischer Reihenfolge im Buch zu veröffentlichen. Außerdem Fotos, die während der Lesungen entstanden waren, in Schwarzweiß. 

Zum zweiten Mal bin ich in der kleinen madrilenischen Bar Informal in Offenbacher Salzgässchen. Es ist schwül und ich bestelle einen Café con Hielo. “Wirklich?”, fragt der schwarzäugige Wirt. “Mit Eiswürfeln?” “Ja”, antworte ich knapp, aber bestimmt. “Sie sind die erste, die hier einen Café con Hielo bestellt”, sagt er und lächelt anerkennend. Er stellt mir ein typisch spanisches Caféglas mit Eiswürfeln darin hin, dazu Zucker und Löffel. Wenig später gießt er den frisch gebrauten Schwarzen aus einer weißen Tasse erbarmungslos über die Eiswürfel, die sofort weg sind. Ich gebe Zucker dazu, rühre um – eine köstliche Erfrischung bei diesem tropischen Wetter.

Vor kurzem stellte ich beruflicherweise sommerliche Tipps für einen Kurztrip nach München zusammen und verbrachte auch selbst ein paar Tage in der Bayerischen Landeshauptstadt. Das Hotel war gut und zentral gelegen, die Biergärten waren schön – aber über allem brütete eine tropische Hitze. Ein Zimmernachbar verschaffte sich des Nachts in der Dusche mehrfach Abkühlung. Was also sollte man tagsüber tun, um keinen Sonnenstich zu kriegen und den Kreislauf zu schonen?

Ein Sonntag, an dem es warm ist und leicht nieselt, bietet genau die richtigen Voraussetzungen für einen Ausflug in den Chinesischen Garten. Schon wenige Schritte hinter dem Eingang in der Berger Straße fühlt man sich in eine komplett andere Welt versetzt. Prachtvolle Farne und Azaleen in allen Regenbogenfarben säumen den Weg (jedenfalls im April) – und bei etwas Feuchtigkeit herrscht eine nahezu tropische Atmosphäre. Beim Anblick der entzückenden chinesischen Brücke mit kleinen fernöstlichen Monsterchen auf den Pfeilern und grünen Löwenköpfen am Tor fühlte ich mich sofort versetzt in das reizende Städtchen Hoi-Anh in der Mitte Vietnams. 

Gleich um die Ecke des kleinen St. Ulrichplatzes, wo ich wieder mein Quartier in Wien bezogen hatte, auf der Burggasse, gibt es eine moderne Café-Bar, die eigentlich ein Möbelhaus ist oder beides. “Das Möbel” diente uns am Abend als letzte Haltestelle für einen Absacker und morgens als Reinsacker in einen regnerisch kühlen Museumstag im Belvedere.