Gestern war mal wieder Mittwoch und mittwochs treffen sich die Autoren unserer Gruppe „Autoren unterwegs in Offenbach“ schon morgens, um die nächsten Lesetermine zu planen. Doch dieser Mittwoch war besonders: Im Blau der Morgenluft wanderte ich mit leuchtend orangenem Schal in die Domstraße und wurde kurz vor den hohen Fenstern der Etagerie von Johann überholt, der vom Unternehmerfrühstück im Achat Hotel angeradelt kam.

Ich kannte die Raumkonzepte von Tobias Rehberger aus Pop-up-Restaurants wie der Degussa-Kantine oder dem Museum für Moderne Kunst. Vielleicht gerade deshalb hatte ich eigentlich keine Vorstellung davon, was ich von der Ausstellung in der Frankfurter Schirn zu erwarten hätte. Der Einladungs-Flyer, den mir eine Freundin zum Geburtstag überreichte, flimmerte vielversprechend in schwarzweiß und gab so einen vagen Hinweis, dass es sich nicht um zweidimensionale Kunstwerke handeln würde.

In den letzten Wochen führt mich mein Weg häufiger von der Kaiserstraße in die Domstraße. Kurz bevor man die Berliner überquert, liegt links die Bahnhofsstraße. Sie schein hinter einem Parkdeck in Vergessenheit geraten, obwohl von teils schönen alten Häusern gesäumt, führt sie hier ein Dasein im Verborgenen.

Gestern habe ich mir die Ausstellung „Géricault – Bilder auf Leben und Tod“ angesehen. Vielleicht war das nur so eine kleine Reminiszenz an Professor Klaus Herding, bei dem ich einst in Frankfurt Kunstgeschichte studierte und der unsere Aufmerksamkeit auf die unglaublich plastisch dargestellten, gequälten menschlichen Körper auf dem „Floß der Medusa“ lenkte. Um so etwas darzustellen wie die grausamen „Begleiterscheinungen“ von menschlichem Leid haben wir ja heute die Fotografie, die digital geworden, auch die unterschiedlichsten Varianten einer Ansicht in Sekundenschnelle bietet.