GESCHICHTEN AM RANDE VON BUSINESS UND BÜRO

Ingrid Walter ist eine Texterin, Beraterin, Autorin und Germanistin

Ingrid Walter | Autorin, Texterin und Kommunikationsberaterin

Ich bin in Oberstdorf im Allgäu geboren und lebe seit meinem fünften Lebensjahr in Offenbach am Main. Während ich das Abendgymnasium in Offenbach besuchte, begann ich regelmäßig eigene Texte zu schreiben. In der Zeit zwischen 1985 und 1988 entstanden erste Kurzgeschichten und Erzählungen.

Von 1989 bis 1996 studierte ich an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Germanistik, Kunstgeschichte und Amerikanistik. Im Frühjahr 2000 veröffentlichte ich meine wissenschaftliche Arbeit über Autobiographien deutschsprachiger Schriftstellerinnen im amerikanischen Exil „Dem Verlorenen nachspüren“. Im Winter 2001 besuchte ich das Seminar „Erotisches Schreiben“ bei Thomas Hettche im Hessischen Literaturbüro. 2003 war ich Teilnehmerin des ersten Poetikseminars von Bodo Kirchhoff „Die Kunst des Erzählens“. Meine Erzählung „Hotel Orient“ stellte ich im Dezember 2003 in der Frankfurter Romanfabrik vor. 2004 wurde meine Kurzgeschichte „Das Etui“ von der Stiftung Lesen mit einem Literaturpreis ausgezeichnet und in dem Band „Schreiben in einem Zug“ veröffentlicht.

2011 eröffnete ich meine Agentur für Kommunikation und Content „Walter Wortware“ in Offenbach am Main. 2013 habe ich den Stadtführer „Offenbach zu Fuß“ im Frankfurter Societätsverlag veröffentlicht, der 2019 in der dritten Auflage erschien. 2014 publizierte ich innerhalb der Autorengruppe „Autoren unterwegs“ die Anthologie „Literatur zur Werkzeit“ in der Reihe Offenbacher Editionen bei Berthold. 2016 erschien mein Roman „Eine ungeplante Reise nach Wien“ bei Größenwahn in Frankfurt am Main. 2019 brachte ich mit Katharina Eismann die viel beachtete Anthologie “Offenbacher Einladung” im Größenwahn-Verlag heraus. Mein Kurzprosaband „Porträts einer Frau“ wird im Sommer 2020 im Salsa-Verlag Göttingen erscheinen.

Ingrids Archiv

Ingrids Kategorien

Der erste Herbststurm mit viel Wind und Regen erwischte mich, als ich den Eingang des Convention Center der Messe Offenbach suchte – der liegt nämlich etwas versteckt zwischen Capitol und Messe im Hinterhof. Als ich die Tür erreichte, war ich frisch geduscht – zum zweiten Mal an diesem Tag. Ich trage selten Funktionskleidung und schon gar nicht, wenn ich zu einem Konzert oder einem Live-Hörspiel gehe – und das war der Anlass:

Ich sitze in einem hässlich regenbogenbunten Haus auf der Frankfurter Straße, in dem sich das wilde Herz Offenbachs befindet, das Caffè Cuore. Gitarren hängen von der Decke und ein Sammelsurium von Stühlen und Tischen aller Gattungen umrahmt mich. Franco ist hier der Innenarchitekt und er folgt keinem Trend, sondern seiner Intuition – deshalb fühlen sich Menschen aller Nationen hier wohl. Der schöne Daniel aus Kuba mit den langgliedrigen Fingern an der Gitarre und Enzo mit der Rockerstimme oder Diana, die kleine schwarzhaarige Göttin aus Sizilien.

Neulich im Mai hatte ich so einen Tag in Frankfurt mit vielen Terminen und zwischendurch einer Stunde Atempause. Die verbrachte ich im Plank, weil ich zwischen Bockenheim und Sachsenhausen hin- und hermusste. Das Plank Münchener/Ecke Elbestraße im Bahnhofsviertel gelegen, ist tagsüber nämlich ein sehr nettes Café. Es bietet Ruhe, W-LAN und die besten portugiesischen Törtchen, die man sich vorstellen kann.

Immer mal wieder werde ich gefragt, ob denn meine Großmutter aus Wien stammte – und sehe dann manchmal enttäuschte Augen, wenn ich das verneine. Meine Großmutter (mütterlicherseits) stammt tatsächlich aus Leipzig. Sie hat dort in eine Kürschnerfamilie eingeheiratet und bewohnte ein großes Jugendstilhaus in der Nikolaistraße.

Als ich Mitte Februar in Wien war, bin ich auch nochmal über den Naschmarkt geschlendert. Die goldene Blütenkuppel der Seccession und der Markt selber sind bei schönem Wetter einfach ein Muss. Ich war zunächst ein wenig verwirrt, weil ich den Würstelstand der Rosi vom Naschmarkt nicht gefunden habe – und auch ein wenig betrübt – weil er vielleicht nicht mehr “In” ist. Aber auf so Allerweltsgerichte wie Gnocchi mit Gorgonzola oder Karottensüppchen mit Ingwer hatte ich keine Lust. Ich wollte meine fettigen Käsekrainer, die bei Kälte ein durchaus nahrhaftes Mittagessen sein können.